105 Jahre ist es her, dass Henri Desgranges die Tour de France gründete. Zu beginn war es eine nicht besonders gut überdachte Idee, mittlerweile ist „le tour“ das wichtigste Etappenrennen der Welt.
1903 war es kein Profirennen nach heutigem Maßstab. Die Fahrer absolvierten nur 6 Etappen und mussten Distanzen von 400 Kilometer an einem Tag zurücklegen, wobei dies nicht ausschließlich mit dem Rad vollzogen wurde. Viele gönnten sich während der Etappen kurze Ruhepausen, indem man gewisse Distanzen per Zug zurücklegte. Ob am Ende tatsächlich der beste Radfahrer ganz oben auf dem Podest stand, wusste wohl keiner.
105 Jahre danach ist es das größte Spektakel des Radsports, eine der wichtigsten Sportveranstaltungen der Welt.
2008 sollte es ebenfalls eine spannende sowie hochklassige Tour werden. Auch wenn, vor allem im deutschen Medienbereich, die Frankreichrundfahrt weiterhin als reine Dopingveranstaltung wahrgenommen wird, wird sie wie in den Jahren zuvor, in gewohnter Ausführlichkeit übertragen. Die hohen Bergpässe, die spannenden Massensprints wie auch die Zeitfahren werden dieser Tour de France ihren besonderen Reiz verleihen. Der Charakter dieses Rennens ist unbeschreiblich. Der Giro und die Vuelta sind zwar von den Etappenlängen sowie den Profilen ähnlich, ihnen fehlt jedoch dieses gewisse Etwas, das die Tour de France so besonders macht. Vielleicht sind es die Zuschauer, vielleicht der imense Medienrummel oder schlicht die Tradition.
Die Strecke lässt etwas revolutionäres erkennen. Erstmals seit 1967 beginnt die Frankreichrundfahrt ohne einen Prolog, sondern mit einer Massenstartetappe in Brest, welche im Finale allen Fahrertypen Chancen offenbart. Auf Etappe 6 steht eine Bergankunft im Zentralmassiv an, woraufhin es in die schweren Pyrenäen geht. Die Entscheidung folgt dann in Woche drei, wo die Bergankünfte in Prato Nevoso und L’Alpe D’Huez anstehen. Am Ende geht es noch einmal ins Zeitfahren, um sich am Ende auf der Champs Élysées feiern zu lassen.
Über Favoriten lässt sich bekanntlich streiten, das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Trotzdem wird immer wieder ein Name genannt, Alejandro Valverde. Vor allem seine Vorstellung beim Zeitfahren der Dauphiné Libéré hat mich vollends überzeugt. Trotz allem spricht die Statistik eine klare Sprache. Die Sieger der Generalprobe in der Provence hatten stets große Probleme bei der Tour. Dies zeigen unter anderem auch die beiden letzten Sieger der Dauphiné, Moreau und Leipheimer. Valverdes Probleme bei den ganz steilen Pässen sind bekannt, aber auch in Woche 3 hat er bislang immer einen gewissen Leistungsabfall erkennen lassen. Wahrscheinlich wird er zu Beginn der Tour ganz vorne dabei sein. Die Bergankunft in Super- Besse dürfte ihm liegen. Am Ende wird er wahrscheinlich in den Top 10 sein, ob es zu mehr reicht, wird sich zeigen.
Eher rechne ich mit einem Cadel Evans. Er muss vor allem über die Zeitfahren kommen, da ihm die nötige Spritzigkeit am Berg fehlt um die anderen zu distanzieren. Seine große Schwäche sind die langen Berge. Wie schon oft gesehen, bricht er im Laufe der entscheidenden Anstiege etwas ein, nachdem er zu Beginn mit den anderen Favoriten Schritt hält und die Attacken pariert.
Auch Sastre und Zubeldia sind ernst zu nehmende Mitfavoriten. Beide verfügen über großen Kampfgeist und sind schwer abzuhängen. In guter Form dürften sowohl Zubeldia, als auch Sastre an den entscheidenden Etappen in den Alpen zu beachten sein.
Ganz interessant wird auch der 2.Tourauftritt von Damiano Cunego. Er hat schon bei der Tour de Suisse gute Leistungen erbracht, war aber nicht in Topform. Nachdem er in den letzten Jahren große Probleme hatte seine Form zum Giro zu trimmen, könnte er heuer ein gefährlicher Mitfavorit bei der Tour sein.
Kim Kirchen, Mikel Asterloza, Samuel Sanchez oder sogar Roman Kreuziger haben ebenfalls viele Experten auf dem Zettel. Ihre Chancen dürften aber doch eher gering sein. Top 10 ist aber für alle 4 ein realistisches Ziel.
Denis Menchov erwähne ich bewusst erst jetzt, da er heuer kaum zum Toursieg in Frage kommt. Bereits beim Giro war er sehr gut in Form, und dass er diese einen ganzen Monat lang halten kann ist schwer vorstellbar. Für Riccardo Ricco gilt ähnliches.
Ich hoffe auf spannende Etappen und einen möglichst engen Ausgang, ähnlich wie im Jahr 2008.Nur noch 7 Tage, dann geht es endlich los.
geschrieben von Jakob Fischer
Über die Betrüger Braucht man keinen Bericht zu schreiben
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