
Hallo Herr König, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für Planet of Sports nehmen. Der Zeitpunkt für dieses Interview könnte nicht besser sein, denn es gibt so viele Themen, die man besprechen kann. Sind Sie denn froh, dass nun erst mal Sommerpause ist?
Ja Urlaub tut gut!
Die Ereignisse haben sich in den letzten Wochen wirklich überschlagen. Beim letzten Rennen gab es den schlimmen Unfall von Felipe Massa und am Mittwoch darauf gab es gleich 2 große Schlagzeilen. Zum einen wird BMW nach diesem Jahr die Formel 1 verlassen. Wie denken Sie persönlich darüber und können Sie diesen Entschluss verstehen?
Ich kann diesen Entschluss nicht verstehen, schliesslich hatte BMW grosse Ziele in der Formel 1 und diese noch nicht verwirklicht, zum anderen gehört motorsport zu BMW und die Serien die sie jetztweiter betreiben werden sind noch nicht mal 2. Liga.
Was sagen Sie zu den anderen Teams? Mir persönlich gefällt es sehr gut, dass nicht nur Ferrari und McLaren Mercedes um den WM Titel fahren. Es bringt einfach ein wenig Abwechslung rein.
In der Tat tut diese Abwechslung der Formel 1 gut, auf Dauer werden und müssen aber wieder die „Grossen“ vorne sein.
Kann Sebastian Vettel der zweite Michael Schumacher werden?
Nein, ich messe ihn nicht an MSC, er wird aber der bestimmende deutsche Formel 1 Pilot der nächsten Jahre werden.
Wer wird Weltmeister? Vettel oder Button? Oder doch Webber?
Button
Kommen wir nun zu einem anderen Thema und somit mehr zu Ihrer Person. Sie sind seit 1994 im RTL Formel 1 Team. Macht es noch genauso viel Spaß?
Seit 1996 moderiere ich die Formel 1 und es macht mir heute sogar noch mehr Spaß. Das liegt daran, dass ich mich heute noch besser in der Materie auskenne und auch zu den Fahrern bzw. Teamverantwortlichen einen besseren Draht habe.
Wie muss man sich die Vorbereitung bei Ihnen und beim RTL Team vor einem Grand Prix Wochenende vorstellen?
Wir planen Lang- Mittel- und kurzfristig. Bei unserem CvD laufen die Fäden zusammen, einmal in der Woche kommen alle zu einer großen Konferenz zusammen.
Bei mir persönlich, ist es so, dass ich mich auf dem laufenden halte (lese alles im Netz und am Kiosk zum Thema F1) und im Gespräch bin mit der Redaktion, damit ich immer den Stand der Planung kenne.
Wie groß ist das RTL Team vor Ort und wann reisen Sie an?
Ca 40 Personen. Anreise Technik und Produktion am Montag, Redaktion Mittwoch oder Donnerstag.
Beschreiben Sie uns doch bitte einmal den Tagesablauf an einem Rennsonntag. Wann stehen Sie auf und was machen Sie dann…
Stehe gegen 8 auf, gehe dann laufen mit dem Kollegen Christian Danner, danach Frühstuck. ca. 10 Uhr sind wir an der Strecke. Die folgende Stunde nutze ich für Gespräche und Recherche. Stimme mich mit Niki Lauda ab über die Themen der Sendung. Um 11 große Ablaufbesprechung. Dann Technikcheck, verkabeln etc. Ab 12 Uhr Stand-By für evtl. Aufzeichnungen. Ab 12.45 Live-Sendung. Gegen 16.30 Sendeende. Danach gibts eine Schlussbesprechung mit erster Manöverkritik. Dann schnell zum Flughafen, hoffentlich pünktlich zum Abflug: Gegen Mitternacht bin ich dann in der Regel daheim.
Sehen Sie das Team von Sky eher als Kollegen oder als Konkurrenz an? Wie ist der Umgang miteinander? Kennen Sie einige Mitarbeiter von Sky persönlich?
Ich sehe das sehr kollegial, bin mit einigen befreundet. Als Konkurrenz empfinde ich Sky nicht.
Ich interessiere mich ja sehr für die Medien, daher vergleiche ich oft die Übertragungen von beiden Sendern, also von RTL und Sky. Wo würden Sie die Vor und Nachteile der RTL Übertragung sehen?
Ich vergleiche sie auch oft, erlaube mir aber kein öffentliches Urteil. Finde wir schneiden nicht schlecht ab. ;-)
Wo schauen Sie eigentlich die Rennen, wenn das Rennen läuft? Immer bei einem Team oder ist das verschieden?
Meistens bei MC-Laren Mercedes. Große Bildschirme und leckeres Essen.
Wie gut verstehen Sie sich mit Niki Lauda? Sind Sie auch privat mit ihm befreundet oder ist er eben „nur“ der Experte bei den Rennen?
Verstehe mich überragend mit ihm, befreundet sind wir nicht, reden aber oft über privates und wenn ich mal in Wien bin gehen wir auch mal essen.
Ich habe hier noch eine Frage von einem Leser, die mich selbst zum schmunzeln bringt. Wie würden Sie den Kleidungsstil von Kai Ebel bewerten?
Geschmackssicher und zurückhaltend.
Was machen Sie, wenn sie nicht an der Strecke sind? Ist dann Vorbereitung angesagt oder bleibt dann Zeit für einen Ausflug in die Stadt oder so.
Dafür reicht die Zeit leider fast nie, außer bei Überseerennen wie Australien oder Malaysia, wo es keinen Sinn macht zwischendurch heim zu fliegen. Ansonsten kenne ich die Strecken, die Hotels und zum Glück die guten Restaurants.
Verfolgen Sie neben der Formel 1 auch noch andere Mottorsportserien?
Ja ich interessiere mich sehr für die DTM.
Neben der Formel 1 moderieren Sie z.B. noch Boxen bei RTL. Was mögen Sie am Boxen?
Den archaischen Kampf Mann gegen Mann, und das Event als solches, das sehr gemischte Publikum, die große Inszenierung.
Wie sieht es dort mit der Vorbereitung aus?
Dort bin ich weniger Fachmann, lese mich aber jedes Mal dank der tollen Vorarbeit der Redaktion gut ein, und nutze dann das lebende Boxlexikon Tobias Drews.
Ihren Kollegen Tobias Drews habe ich vor einiger Zeit gefragt, wie es mit der Aufregung vor so einem Kampf bzw. Abend aussieht. Er sagte mir, dass es kein Unterschied ist, ob man vor 100 oder vor 1 Millionen Zuschauern kommentiert. Ist es wirklich so leicht, wie es der Herr Drews sagt, oder hat man doch im Hintergedanken, dass es doch ein paar mehr Zuschauer sind?
Im Ernst, sie werden niemanden finden der beim Moderieren oder Kommentieren an diese Masse „Mensch“ denkt. Dafür reicht das Vorstellungsvermögen eh nicht. 10 Millionen sind 125 volle Olympiastadien!!! Nein das ist sehr abstrakt und das ist gut so. Ich habe ja doch schon ein wenig Routine, deshalb bringt mich da so schnell nichts aus der Fassung – erst Recht nicht das was wir immer wollen – Viele Zuschauer.
Ist es stressig, wenn an einem Wochenende Formel 1 und Boxen stattfindet? Wie bekommt man das alles unter einen Hut?
Ja das ist stressig, aber schön stressig. Ich genieße solche Ausnahmesituationen.
Haben Sie einen Lieblingsverein beim Fußball? Wie intensiv verfolgen Sie den Fußball? Sind Sie vielleicht sogar mal im Stadion?
Ich als Stuttgarter habe ja nur die Wahl zwischen Kickers und VfB. Und mein Herz schlägt da Rot. Bin nach wie vor dicht am Fußball dran. Schaue alles was geht und mir die Familie erlaubt, ins Stadion gehe ich in Köln oder Leverkusen.
RTL wird im nächsten Jahr Live von der WM in Südafrika berichten. Werden Sie als Moderator tätig sein und werden Sie auch vor Ort sein?
JAAAAAAA. Freue mich sehr.
Was war das größte, das Sie bisher in Ihre Karriere erreicht haben?
Kann da nichts herausgreifen. Bin sehr froh, stolz und dankbar dafür, dass ich in nicht ganz unwichtiger Rolle die größten Momente von Michael Schumacher, Henry Maske, den Klitschkos, Sven Hannawald und vielen mehr, begleitet habe und das bei den Vettels etc. immer noch tue.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Gibt es noch Wünsche, die noch nicht in Erfüllung gegangen sind?
Fußball Bundesliga zurück bei RTL
Was haben Sie für Hobbys?
Sport, Krimis, Reisen, Essen, Wein.
Welche Musik hören Sie gerne?
Bin der klassische Radiohörer. also alles was bei SWR3 läuft.
Ihr Lieblingsessen? Auf den ganzen Reisen werden Sie bestimmt eine Menge gesehen und ausprobiert haben.
Ja aber das stammt von meiner österreichischen Oma – Marillen (Aprikosen) Knödel.
Und die letzte Frage, wie lange möchten Sie noch bei RTL die Formel 1 präsentieren?
Da habe ich mir keine Vorgabe gesetzt. ich entscheide das ja nicht alleine. Aber Stand heute – hoffentlich noch ne ganze Weile. Macht nämlich (s.o.) immer noch Mordsfreude.
Möchten Sie noch etwas an unsere Leser richten?
Begleitet uns weiter kritisch wohlwollend.
Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.
Interview von Florian Hellmuth
Bildquelle: Fotopresse
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