RTL Boxen ist besser als sein Ruf – Wieso ich gerne Boxen bei RTL schaue!

Vor knapp 2 Wochen holte der Boxkampf zwischen Witali Klitschko und Dereck Chisora knapp 13 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Der Ruf ist dennoch nicht der Beste – Wieso eigentlich?

Für mich ist Boxen nicht nur ein Sport, sondern auch eine große Show. Wenn jemand weiß wie man eine Show, ein Event aufzieht, dann ist es RTL. Sind wir doch mal ehrlich: Schauen wir Boxen bei RTL wirklich nur wegen dem Kampf? Also ich nicht – Für mich ist es eine Mischung aus Sport, aber eben auch aus Unterhaltung. Weiterlesen „RTL Boxen ist besser als sein Ruf – Wieso ich gerne Boxen bei RTL schaue!“

Planet of Sports im Interview mit RTL Boxkommentator Tobias Drews

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Hallo Herr Drews, erst mal vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für Planet of Sports nehmen.

Gerne.

Jetzt mal ganz ehrlich, wie ist es vor knapp 11 Millionen Zuschauern vor dem Fernseher einen Boxkampf zu kommentieren? Geht einem da nicht das Flattern? Oder ist es mittlerweile nur noch reine Routine?

Ehrlich gesagt, gibt es keinen Unterschied zwischen einem Kommentar für 100.000 Zuschauer oder für 1 Mio. Zuschauer oder eben für 11 Millionen. Zumindest nicht in der Nervosität, die sich bei mir nach gut 11 Jahren mittlerweile in ein „angespanntes Kribbeln“ verändert hat. Einziger Unterschied: Wenn man für RTL kommentiert, redet man nicht nur für Fachleute. Man sollte also an vielen Stellen etwas mehr erklären.

Wie kamen Sie zum Kampfsport? Haben Sie vielleicht selbst einmal im Ring gestanden?

Mit 11 Jahren las ich die Autobiographie von Max Schmeling, danach hatte mich der Boxvirus gepackt. Und bis heute auch nicht mehr losgelassen. Ich habe selbst versucht zu Boxen, auch andere Kampfsportarten ausprobiert. Aber um da ernsthaft erfolgreich zu sein, fehlte mir anscheinend einiges – leider.

Was fasziniert Sie am Boxsport? In Deutschland steht ja eher König Fußball im Mittelpunkt.

Für mich der sensationellste Sport überhaupt: Mann gegen Mann, klare Regeln. Die Schriftstellerin Joyce Carol Oates beschreibt das so: „In seinen intensivsten Momenten ist es ein so ungebrochenes und so machtvolles Bild des Lebens – seiner Schönheit, seiner Verletzlichkeit und Verzweiflung, seines unberechenbaren und oft selbst zerstörerischen Muts -, dass es das Leben selbst ist und kaum ein bloßer Sport…“ Klingt schwülstig, steckt aber sehr viel Wahrheit drin.

Haben Sie ein Vorbild?

Es gibt einige Kollegen, denen ich gerne zuhöre oder gerne zugehört habe. Da schaue ich schon mal Übertragungen, die mich nur und ausschließlich wegen der Kommentatorleistungen interessieren. Man kann aber auch von den erfahrenen Kollegen wie Ernst Huberty oder Hans-Joachim Rauschenbach nur durch zuhören schon sehr viel lernen. Aber ein spezielles Vorbild, also eine Einzelperson der ich nacheifere, habe ich nicht.

Premiere Kommentator Jacques Schulz hat einmal gesagt: Wenn es mit der Profikarriere nicht klappt, dann sollte man einen naheliegenden Beruf wählen. Er fährt nun keine Formel 1 Rennen, sondern er kommentiert sie. War es bei Ihnen ähnlich?

Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, Box-Weltmeister zu werden. Aber daraus habe ich nicht abgeleitet, Kommentator werden zu wollen. Ich habe über Boxen für verschiedenen Tageszeitungen und den „Kicker“ geschrieben, um mir die Fahrtkosten einigermaßen wieder reinzuholen. Dann sprach mich ein Kollege von Premiere an, und fragte, ob ich mal einen Kampf zur Probe kommentieren wolle. So fing das 1996 an…

Wie bereiten Sie sich auf einen Boxkampf, zum Beispiel von Vitali Klitschko vor? Wie muss man sich den Tag von Tobias Drews dann vorstellen? Wie ist Ihr Tagesablauf?

Am Tag des Kampfes selbst ist die meiste Arbeit schon getan. Dann schaut man noch mal seine Aufzeichnungen durch, geht zur Probe und freut sich auf den Abend. Nachmittags dann das saubere Hemd anziehen und ab in die Halle. Dann viel Kaffee, in der Hoffnung auf den einen oder anderen Geistesblitz. Und irgendwann geht es dann los. Die Vorbereitung an sich dauert länger. Ich besorge mir Videoaufzeichnungen der Kämpfe, überlege mir: wie würde ich als Trainer meinen Sportler auf diesen Kampf vorbereiten? Dann ein langer Blick auf den Kampfrekord, Gespräche mit den Boxern und Trainern… Es ist wie in der Schule mit den Spickzetteln. Es ist wichtig, dort viel drauf zu schreiben. Am Ende braucht man sie nur selten. Oder wundert sich, wie wenig man wieder untergebracht hat.

Welche Fähigkeiten sollte ein Boxkommentator haben?

Die, die auch ansonsten einen guten Kommentator auszeichnen. Fachwissen;  Regelkenntnisse: Neugier, eine Stimme, der man einige Zeit zuhören kann.

Was macht einen guten Boxkampf aus?

Eine „Story“ im Vorfeld. Gerne also „Techniker gegen Ko-Schläger“. Dann gutes Tempo und zwei Boxer, bei denen der Wille zum Sieg erkennbar ist. Wenn die dann nicht nur eine Strategie haben, sondern auch noch einen Plan B wird’s mit Sicherheit ein toller Kampf.

Welches Ereignis würden Sie als Ihren Karrierehöhepunkt bezeichnen? Oder kommt dieser noch?

Es gab schon so viele Höhepunkte bisher… Trotzdem bin ich mir sicher, dass da auch noch einige weitere folgen werden. Ein paar Jahre möchte ich ja schon noch kommentieren. Bisherige Höhepunkte waren sicher die Kämpfe von Oscar de la Hoya gegen Felix Trinidad, Lennox Lewis gegen Mike Tyson, dazu noch Prince Naseem Hamed und nun Wladimir und Vitali Klitschko. Manchmal wird sogar ein Kampf ein Highlight, von dem man es gar nicht erwartet hatte.

Die RTL Zuschauer bemängeln seit einiger Zeit, dass es in den Ringpausen immer eine Werbeunterbrechung gibt. Können Sie diese verstehen, auch wenn der Sender gerade bei diesen Kämpfen viel Geld verdient?

Diese Diskussion ist ja schon so alt wie das Privatfernsehen selber. Andere Sender kassieren die monatlichen Zwangsgebühren, RTL muss sich eben anders finanzieren. Wichtig ist aber: Der Zuschauer verpasst so gut wie nichts, bekommt Zeitlupen und ich fasse die wichtigsten Sätze aus der Ecke zusammen. Und bei allem Respekt: Wenn andere Sender die Traineraussagen dolmetschen lassen und auch jedes „Hier noch ein Schluck Wasser“, „Jetzt ausspucken“, „Warte, ich wische dir noch die Nase ab“, dann ist das in der Regel verzichtbar. Dann ist die Werbung vielleicht sogar das kleinere Übel.

Seit einigen Wochen kommentieren Sie neben dem Boxen bei RTL auch die UFC im DSF. Erklären Sie unseren Lesern einmal, was genau die Ultimate Fighting Championship ist und was die Zuschauer hier erwarten dürfen?

Mixed Martial Arts ist die Mischform verschiedener Kampfsporten, also Elemente aus Boxen, Ringen, Judo, Jiu Jitsu, Karate, Kickboxen und Muay-Thai. Sozusagen der Zehnkampf des Kampfsports. Und die UFC ist deren professionellster Verband. Sehr interessante Kämpfe, ganz anders als Boxen.

Was mögen Sie lieber? Das Boxen oder eher Mixed Martial Arts?

Boxen, ganz klar und mit Riesenvorsprung. Wenn das jeweils Frauen wären, ist das Boxen die Liebe meines Lebens und MMA eine flüchtige Bekannte, mit der man im Moment ganz gerne etwas Zeit verbringt, ohne zu wissen, ob mehr daraus wird.

Gibt es Unterschiede beim kommentieren und der Vorbereitung?

Grundsätzlich ist die Vorbereitung des Kommentierens ja handwerklich sehr ähnlich. Die journalistische Recherche ist bei den Mixed Martial Arts noch etwas schwerer, weil man viele Quellen hat, denen man nicht unbedingt vertrauen kann. Ansonsten: Rein in das MMA-Training, um einige der Techniken selbst auszuprobieren und somit auch besser für andere beschreiben zu können.

Ich persönlich bin ein großer Fan vom Wrestling. Wie sieht es da bei Ihnen aus? In den USA hat das Wrestling eine große und lange Tradition. Auch in Deutschland gibt es viele Fans, die sich wöchentlich diesen Shows widmen. In knapp 2 Wochen geht in Houston, Texas mit Wrestlemania 25 das Highlight des Jahres über die Bühne. Sind diese Veranstaltungen auch für Sie interessant oder ist Ihnen das zu realitätsfern?

Wrestling hat mich noch nie interessiert und ich kann auch komplett ausschließen, dass sich das ändert.

Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Interview und wünsche Ihnen Alles Gute für die Zukunft.

Interview von Florian Hellmuth

Bildquelle: RTL.de

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